S1. Anabole Substanzen
Auf der Dopingliste der WADA werden mit Anabolika androgen-anabole Steroidhormone und andere aufbauend wirkende Substanzen wie Clenbuterol bezeichnet. Die chemische Zusammensetzung und die Wirkung der meisten Anabolika leiten sich vom männlichen Sexualhormon Testosteron ab.
Wirkungen:
Anabolika wirken im Allgemeinen "anabol" (aufbauend) und "androgen" (vermännlichend). Durch die Anregung der Proteinsynthese (Eiweißherstellung) kann es zum Aufbau von Muskelmasse, Kraft und/oder einer Verringerung des Körperfettanteils führen.
Nebenwirkungen:
Die Nebenwirkungen von Anabolika sind mittlerweile bestens untersucht und dokumentiert. Die unrühmliche Tradition des Missbrauchs, vor allem im Sport hat dazu beigetragen, über die Risiken dieser Substanzen sehr genau Bescheid zu wissen. Je nach Art, Dauer und Dosierung des Anabolika-Gebrauchs können unterschiedliche Nebenwirkungen auftreten:
- Leber: Durch die Einnahme von Anabolika werden die Leberenzyme geschädigt, es kann zu Entzündungen der Leber bis hin zum Leberkrebs führen.
- Tumorbildung: Anabolika können das Wachstum von Prostata-, Brust- und Leberkrebs fördern.
- Hormonhaushalt: Durch die Einnahme körperfremder Stoffe wie Anabolika wird der körpereigene hormonelle Regelkreis gestört und fallweise sogar ausgeschaltet, der Körper stellt die eigene Produktion der Hormone ein.
- Blutfettwerte: Werden massiv beeinflusst, was zu einer Erhöhung des Risikos für Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und Herzinfarkte führt.
- Herz-Kreislauf: Durch die Einnahme von Anabolika wird die Einlagerung von Wasser in Körper und Muskeln erhöht, was zu einem erhöhten Blutdruck und damit zu einer Belastung des Herz-Kreislaufs führt.
- Psyche: Anabolika verstärken aggressive Verhaltensweisen. Im englischen Sprachgebrauch wird dieser Zustand mit "roid rage" (Steroid-Raserei) bezeichnet. In den USA zählt dieses psychische Stadium vor Gericht wegen seiner nachgewiesenen bewusstseinsverändernden Auswirkungen als eines von mehreren Entscheidungskriterien über die Zurechnungsfähigkeit eines Angeklagten.
- Wachstum: Bei Jugendlichen führen Anabolika dazu, dass die Wachstumsfugen frühzeitig verknöchern.
- Akne: Eine der offensichtlichsten Nebenwirkungen ist die großflächige "Anabolika-Akne".
- Bänder und Sehnen: Durch die Einnahme von Anabolika erhöht sich das Risiko von Bänder- und Sehnenverletzungen.
Geschlechtsspezifische Nebenwirkungen:
Frauen: Bei Frauen führen Anabolika zu einer Vermännlichung (Virilisierung) mit tiefer Stimme, vergrößerter Klitoris, verstärkter Körperbehaarung, Rückbildung der Brüste und einer Störung der Menstruation.
Männer: Bei Männern führen Anabolika zu einem Schrumpfen der Hoden und einer Störung der Spermienproduktion. Teilweise kann es zu Verweiblichung der Männer mit Brustwachstum (Gynäkomastie) kommen.
Verwendung in der Medizin:
Mittlerweile gibt es nur mehr wenige Anwendungsbereiche in der Medizin z.B. für Krankheiten mit Hormonstörungen, bei allgemeiner körperlicher Schwäche, etwa bei älteren Menschen oder AIDS-Patienten, zum Abbruch des Körperwachstums bei Jugendlichen mit sehr hoher Wachstumsprognose.
Missbrauch im Sport:
Anabolika heben eine lange Tradition im Sport. Schon von den antiken Olympischen Spielen wird überliefert, dass die Athleten vor Wettkämpfen Stierhoden vertilgten, um ihre Kraft zu steigern. Die moderne Wissenschaft ermöglichte es in den 50er Jahren, das Hormon Testosteron künstlich herzustellen, dadurch wurde der Grundstein für den Missbrauch im Sport gelegt wurde. Anabolika werden vor allem in Kraftsportarten und zur Regeneration nach hohen Belastungen verwendet. Aber auch im Freizeitsport finden diese Substanzen ihre Anwendung, zur vermeintlichen Steigerung der Lebensqualität durch eine "gute Figur". Fachleute schätzen, dass inzwischen schon jeder zehnte jugendliche Kraftsportler zu Anabolika greift. Studien in Fitnessstudios zeigen Missbrauchszahlen von bis zu 25 % der Mitglieder.
Seit 1976 sind anabole Steroide im und außerhalb des Wettkampfs verboten,. Die Doping-Liste der WADA unterschiedet zwischen "exogenen" (körperfremden) und "endogenen" (körpereigenen) Anabolika. Werden exogene Anabolika im Körper eines Athleten gefunden, führt dies automatisch zu einem positiven Doping-Befund. Beim Fund von endogenen Anabolika muss abgeklärt werden, ob ein Missbrauch vorliegt, oder ob die Substanz vom Körper des Sportlers selbst produziert wurde. Als Richtlinie gilt das Verhältnis von Testosteron zu Epitestosteron.
Die gebräuchlichsten Steroidhormone sind Nandrolon, Metandienon und Stanozolol. Der bekannteste andere anabole Wirkstoff ist sicherlich Clenbuterol, der auch für die Rindermast verwendet wurde.