Ungewollt gedopt!?
Bei einer positiven Doping-Probe macht es keinen Unterschied, ob die verbotene Substanz oder die verbotene Methode absichtlich oder unabsichtlich angewandt wurde. Einige der hier genannten Doping-Fallen werden und wurden immer wieder als Ausreden für einen positiven Doping-Befund missbraucht, die Aussicht auf Erfolg ist aber gering. Durch die WADA - Regel der "strict liability" ist der Sportler in jedem Fall selbst dafür verantwortlich, was sich in seinem Körper befindet. Nichtwissen schützt nicht vor Konsequenzen. Einige der häufigsten Fallen für unabsichtliches Doping sind:
Nahrungsergänzungsmittel (NEM)
Gerade Nahrungsergänzungsmittel werden meist als völlig unbedenklich eingeschätzt. Wie sollten Vitamine und Mineralstoffe zu Verstößen gegen Dopingregeln führen? Leider ist das oftmals ein Irrtum. Denn auch Nahrungsergänzungsmittel können verbotene Substanzen enthalten oder z.B. mit Steroidhormonen verunreinigt sein. Bei einigen Eiweißpräparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln zum Muskelaufbau kann es sein, dass vom Hersteller auf der Verpackung auch nicht alle Inhaltsstoffe angegeben werden.
Verschiedene NEM können dem Dopingverbot unterliegende Steroidhormone bzw. deren Vorläufersubstanzen enthalten, ohne dass dies aus den Herstellerangaben ersichtlich ist. Das
Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule in Köln hat in einer Studie 634 NEM aus mehreren Ländern untersucht. 94 dieser NEM (14,8 %) lieferten positive Befunde für verbotene anabol-androgene Steroide (sog. Prohormone) auf, die nicht auf der Packung deklariert waren. Laut Kennzeichnung auf dem Etikett stammten die positiven NEM von Firmen aus den USA, Niederlande, Großbritannien, Italien und Deutschland. Ausscheidungsversuche mit positiven NEM führten zu positiven Dopingbefunden vor allem für den Nandrolonmetaboliten Norandrosteron. Die NADA warnt daher eindringlich vor dem Konsum von NEM. Auch wenn ein Mittel von einem Labor überprüft wurde, kann es sein, dass eine andere Packung verunreinigt ist.
Empfehlungen der NADA Austria zu NEM
- Die NADA Austria rät generell von der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ab. NEM ersetzen keine ausgewogene Ernährung. Sie können ein Fehlverhalten in der Ernährung nicht korrigieren. Es gibt keine Wundermittel wie in der Werbung oft vorgespielt. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist für junge Leistungssportler in der Regel völlig ausreichend.
- Liegt ein Mangel an bestimmten Nährstoffen oder Vitaminen vor, sollten Sie oder Ihr Kind mit dem behandelnden Arzt abstimmen, welche Präparate oder Medikamente eingenommen werden können. Gehen Sie auch dabei sehr kritisch und vorsichtig mit NEM um. Dabei können Sie auf die Online-Medikamentenabfrage der NADA Austria zurückgreifen. Die NADA Austria klassifiziert allerdings ausschließlich humanmedizinische Arzneimittel des Austria Codex. Die Herstellung von NEM unterliegt nicht den hohen Qualitätsstandards und Normen des Austria Codex, daher wird für diese Produkte auch keine Stellungnahme hinsichtlich Reinheit oder Unbedenklichkeit gegeben.
- Grundlegende Voraussetzung ist eine Analyse und Beratung durch eine Fachperson. Bei einer Einnahme, die nicht auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt ist, können sich die verschiedenen Wirkstoffe bei der Aufnahme oder im Körper gegenseitig behindern (Nährstoff-Interaktion). Von einer Dauereinnahme ist abzuraten.
- Die NADA Austria gibt keine Empfehlungen für Hersteller oder Produkte von NEM ab. Einige Hersteller deklarieren ihre Produkte als "doping-frei" und geben sogar Garantien ab. Im Fall einer positiven Analyse kann sich der Athlet allerdings nur am Hersteller schadlos halten, als Milderungsgrund für eine Sperre gilt dies in keinem Fall. Mediziner, Ernährungsberater und Apotheker können im Rahmen ihres Wissens Auskunft geben. Vor Experimenten, sei es mit unbekannten Produkten oder unbekannten "Beratern", wird ausdrücklich gewarnt.
Sollten Sie trotz der oben genannten Risiken nicht auf NEM verzichten wollen, so sollten Sie als Sportler versuchen, dass Risiko einer Verunreinigung so gering als möglich zu halten. Eine Hilfestellung dazu bietet die Homepage
www.informed-sport.com
Cannabis
Das IOC hat Cannabis seit Jänner 1999 bei Olympischen Spielen verboten, seit dem In-Kraft-Treten des WADA-Codes 2004 ist Cannabis generell in Wettkämpfen verboten. Der Cannabis-Konsum führt nicht direkt zu einer sportlichen Leistungssteigerung, kann aber durch seine beruhigende und bewusstseinsverändernde Wirkung zu risikobereitem oder unbedachtem Verhalten führen. Zusätzlich kann es bei hohen Dosierungen zu einer Verschlechterung der Koordination kommen, wodurch sich das Unfallrisiko weiter erhöht. Inhaltsstoffe wie Tetrahydrocannabinol (THC) werden sehr langsam abgebaut und können oft Monate nach einem Konsum (etwa im Ausland) noch zu einer positiven Dopingprobe führen. Der nachgewiesene Konsum von Cannabis kann auch strafrechtliche Maßnahmen nach sich ziehen. Ein nicht unerheblicher Prozentsatz der positiven Doping-Kontrollen lässt sich auf Cannabis zurückführen.
Medikamente
Sogar rezeptfreie Medikamente können Dopingsubstanzen enthalten. Oftmals sind die Namen von unbedenklichen und "verbotenen" Medikamenten zum Verwechseln ähnlich. Besondere Vorsicht ist bei ausländischen Medikamenten geboten, diese können denselben Namen, aber andere Inhaltsstoffe haben. Auch hier gilt, dass die Sportler selbst darauf achten müssen, welche Arzneimittel sie einnehmen. Ist die Einnahme eines "verbotenen" Medikaments aus gesundheitlichen Gründen notwendig, so muss bei der NADA eine Ausnahmegenehmigung (Therapeutic Use Exemption - TUE) eingeholt werden, wobei auch hier meist nur spezielle Darreichungsformen erlaubt sind. Bei einem Arzt-Besuch muss der Sportler den Arzt über seine Sonderstellung als Sportler informieren, selbiges gilt beim Einkauf in Apotheken. Um den Sportlern zu helfen, veröffentlicht die NADA Austria regelmäßig eine
Beispielliste erlaubter Medikamente. Genaue Informationen darüber, ob ein bestimmtes Medikament erlaubt ist oder nicht, bieten Ärzte, Apotheker und die Online-Medikamentenabfrage.
Ein Beispiel: Fast alle Mittel der "WICK-Serie" können problemlos verwendet werden, der "WICK-Erkältungssaft für die Nacht" enthält die verbotene Substanz Ephedrin und darf deshalb vom Sportler vor einem Wettkampf nicht eingenommen werden. Denn wenn einem Sportler Ephedrin im Wettkampf nachgewiesen wird, gilt er als gedopt, egal, ob er es beabsichtigt oder unbeabsichtigt eingenommen hat.
Kuriose Erklärungen
Mohnkuchen
Schon der harmlose Genuss von einem Stück Mohnkuchen kann zu einem positiven Doping-Befund führen, wie das
Institut für Biochemie der deutschen Sporthochschule in Köln in einem Versuch nachwies. Mohnsamen enthalten unterschiedliche Mengen der im Sport verbotenen Substanz Morphin, wobei der Morphingehalt nirgends angegeben ist.
Haarwuchsmittel
Auch Sportler können unter Haarausfall leiden. Vorsicht ist allerdings sogar bei Haarwuchsmitteln geboten. Bis vor kurzem war etwa die Substanz Finasterid verboten, die in diesen Mitteln vorkommen kann. Finasterid wirkt zwar nicht leistungssteigernd, steht aber als sogenanntes Maskierungsmittel auf der Liste der verbotenen Substanzen, da es die Einnahme von verbotenen Anabolika verschleiern kann.
Tee
Sportler müssen auch bei einer gemütlichen Tasse Tee Acht geben, da einige asiatische Teesorten Ephedrin enthalten können. Die Substanz steht auf der Liste der verbotenen Substanzen, in der Gruppe der Stimulanzien. Wird ein Grenzwert überschritten, liegt ein positiver Dopingbefund vor.
Fremd-Doping
Immer wieder können sich Sportler ihre positiven Kontrollergebnisse nicht erklären. Bei der Suche nach Erklärungen wird meist ein Unbekannter beschuldigt, die Nahrung des Sportlers mit Dopingmittel verunreinigt zu haben. In den meisten Fällen ist diese Begründung reiner Schwindel, trotzdem darf nicht vergessen werden, dass es im Spitzensport mitunter um viel Geld und Ansehen geht. Manche im Sport involvierte Personen schrecken auch vor solchen Versuchen nicht zurück, um direkte Konkurrenten bzw. Gegner aus dem Weg zu schaffen. Meist werden Substanzen verwendet, die sich in der Doping-Analyse leicht und lange nachweisen lassen.