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Anabolika-Kur - häufig verwendete Zusatz-Substanzen und typische Nebenwirkungen

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Die Verwendung von Anabolika verursacht für sich alleine genommen schon viele Nebenwirkungen. Oftmals werden weitere Substanzen genommen, um gegen Begleiterscheinungen vorzugehen. Viele der „Begleit-Substanzen“ in einer Anabolika-Kur haben selbst teils erhebliche Nebenwirkungen, die oft unterschätzt und in Kombination kaum erforscht sind.

Zudem sind viele der verwendeten Substanzen - wie auch die Verwendung anaboler Steroide - nach der aktuellen Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur im Sport nicht zulässig.  

1. Aromatasehemmer (z.B. Anastrozol, Letrozol, Exemestan)

Aromatasehemmer werden missbräuchlich genutzt, um Östrogen-bedingte Probleme wie Gynäkomastie (weibliche Brustbildung bei Männern) oder Wassereinlagerungen zu verhindern und sind laut der Verbotsliste der WADA jederzeit verboten. 

Bekannte Nebenwirkungen:

  • Gelenk- und Knochenschmerzen, verminderte Knochendichte (Osteoporose-Risiko).
  • Verschlechterung der Blutfettwerte, erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.
  • Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmung, Libidoverlust.

2. SERM (z.B. Tamoxifen, Clomifen) – häufig in der „PCT“ (Post-Cycle-Therapie)

SERM (Selektive Estrogenrezeptor-Modulatoren) werden missbräuchlich eingesetzt, um Östrogenrezeptoren zu blockieren bzw. modulieren und so die körpereigene Testosteronproduktion anzuregen oder Gynokomastie zu verhindern. SERM sind laut Verbotsliste der WADA jederzeit verboten.

Bekannte Nebenwirkungen:

  • Thromboserisiko (Gefahr von Blutgerinnseln, Lungenembolie, Schlaganfall).
  • Sehstörungen (v.a. bei Clomifen), Kopfschmerzen, Schwindel.
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, depressive Symptome.
  • Übelkeit, Bauchbeschwerden, Leberbelastung.

3. hCG 

hCG (humanes Choriongonadotropin) wird missbräuchlich eingesetzt, um die Hodenfunktion während oder nach der Kur zu stützen. hCG ist laut der Verbotsliste der WADA für Männer jederzeit verboten. 

Bekannte Nebenwirkungen:

  • Erhöhtes Östrogen (Paradox: dadurch wieder Gyno-, Wasser- und Blutdruckprobleme möglich).
  • Stimmungsschwankungen, Akne, Wassereinlagerungen.
  • Theoretisch Förderung von hormonabhängigen Tumoren bei entsprechender Veranlagung.

4. 5α-Reduktasehemmer (z.B. Dutasterid, Finasterid)

5α-Reduktasehemmer werden missbräuchlich eingesetzt, um die Wirkung von Testosteron zu verstärken bzw. Hautproblemen (Akne, fettige Haut, Haarausfall) und Prostata-Beschwerden (Wachstum, PSA-Anstieg) entgegen zu wirken. Bekannte Nebenwirkungen:

  • Libidoverlust
  • erektile Dysfunktion und Ejakulationsstörungen
  • Gynäkomastie
  • Depressionen

5. Schildrüsenhormone (Liothyronin, Levothyroxin)

Schildrüsenhormone werden missbräuchlich eingesetzt, um den Körperfettanteil trotz hoher Nahrungszufur möglichst gering zu halten. Bekannte Nebenwirkungen:

  • Herzrhythmusstörungen, Tachykardien, pektanginöse Zustände
  • Tremor
  • Kopfschmerzen
  • innere Unruhe und Schlaflosigkeit
  • Plötzlicher Herztod

6. Dopaminagonisten (z.B. Cabergolin, Bromocriptin)

Dopaminagonisten werden missbräuchlich eingesetzt, um Prolaktin zu senken (z.B. bei 19-Nor-Steroid-Kuren wie Nandrolon/Trenbolon). Bekannte Nebenwirkungen:

  • Blutdruckabfall, Schwindel, Ohnmacht.
  • Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden.
  • Starke psychische Effekte: Impulskontrollstörungen (Gambling, Hypersexualität), Depression, selten Psychosen.

7. „Leber-Schutz“ (z.B. hoch dosierte pflanzliche Präparate, teils auch Medikamente)

„Leber-Schutz“ wird eingesetzt gegen die Hepatotoxizität oraler Steroide. Bekannte Nebenwirkungen:

  • Viele Supplements sind kaum geprüft, es besteht das Risiko von Verunreinigungen
  • Hohe Dosen können selbst lebertoxisch oder nierenschädlich sein.
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (z.B. über CYP-Enzyme).

8. Diuretika (Entwässerer, z.B. Furosemid, Thiazide, Kalium-sparende Diuretika)

Diuretika werden missbräuchlich eingesetzt, um „überschüssiges Wasser“ zu entfernen, damit Muskeln größer und definierter erscheinen, um Gewicht zu verlieren, um bei Wettkämpfen in eine niedrigere Gewichtsklasse zu fallen oder um Dopingkontrollen zu verwässern. Diuretika sind laut Verbotsliste der WADA jederzeit verboten.

Bekannte Nebenwirkungen:

  • Elektrolytstörungen (v.a. Kalium), Herzrhythmusstörungen bis zum plötzlichen Herztod.
  • Dehydratation, Nierenversagen.
  • Blutdruckabfall, Krämpfe, Schwäche.

9. Schmerzmittel / NSAR (z.B. Ibuprofen, Diclofenac)

Schmerzmittel werden missbräuchlich eingesetzt, um "Trainingsschmerzen“ zu reduzieren. Einige Schmerzmittel (z.B. Opiate, Tramadol) sind laut Verbotsliste der WADA im Wettkampf verboten. Bekannte Nebenwirkungen:

  • Magen-Darm-Blutungen, Magengeschwüre.
  • Nierenbelastung (in Kombi mit Steroiden und Dehydration sehr kritisch).
  • Erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bei dauerhafter hoher Dosierung.

10. Benzodiazepine, Schlafmittel, Beruhiger

Werden missbräuchlich wegen Unruhe, Aggressivität oder Schlafstörungen bei Anabolika-Verwendung eingesetzt. Bekannte Nebenwirkungen:

  • Abhängigkeit, Toleranzentwicklung, Entzugssymptome.
  • Kognitive Beeinträchtigung, Sturzrisiko.
  • Atemdepression, besonders mit Alkohol/anderen Sedativa.

11. Isotretinoin („Akne-Mittel“) 

Isotretinoin wird missbräuchlich gegen Steroid-Akne genutzt. Bekannte Nebenwirkungen:

  • Sehr starke Leberbelastung, erhöhte Blutfette.
  • Schleimhäute trocken (Augen, Lippen), Hautprobleme.
  • Depressive Verstimmungen bis zu Suizidgedanken (seltene, aber ernst zu nehmende Berichte).

Besondere Problematik: „Polymedikation“

In der Praxis werden oft mehrere Anabolika plus mehrere dieser „Schutz“-Substanzen kombiniert. Probleme dabei:

  • Unkalkulierbare Wechselwirkungen, weil diese Kombinationen nie klinisch geprüft wurden.
  • Addition von Nebenwirkungen am selben Organ (z.B. Leber, Herz-Kreislauf, Psyche).
  • Erschwerte Diagnostik im Notfall, weil unklar ist, welche Substanz was verursacht.

Empfehlungen

  • Ärztliche Beratung (Hausarzt / Hausärztin, Endokrinologie, Sportmedizin, Suchtmedizin) ist deutlich sinnvoller als Einträge in einschlägigen Foren oder Tipps aus Social Media Kanälen.
  • Dabei vollständige Offenheit über ALLE Substanzen ist wichtig, damit Blutdruck, Herz, Leber, Nieren und Psyche seriös überwacht werden können.
  • Wenn bereits Beschwerden bestehen (Brustdruck, Luftnot, starke Stimmungsschwankungen, Sehstörungen, starke Bauchschmerzen, dunkler Urin, massive Kopfschmerzen): sofort zum Arzt / zur Ärztin oder im Notfall Rettung kontaktieren. 
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