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Richtlinie zur Behandlung mit Testosteron
Eine TUE für die Anwendung von Testosteron wird ausnahmslos nur in jenen Fällen erteilt, wenn die strengen Vorgaben der Welt Anti-Doping Agentur (WADA) erfüllt sind. In aller Regel wird eine medizinische Ausnahmegenehmigung für Testosteron nur bei organischen Ursachen (z.B. Schäden an Hoden oder Hypophyse) erteilt und auch hier nur bei eindeutiger Befundlage. Es reicht keinesfalls aus, wenn der:die behandelnde Ärzt:in der Meinung ist, dass die Behandlung medizinisch sinnvoll wäre und es keine alternative Behandlung gäbe.
Für Testosteron gelten aufgrund der möglichen Leistungssteigerung strenge Anforderungen. Die wichtigsten Punkte sind in dieser Richtlinie zur Behandlung mit Testosteron zusammengefasst.
Was bedeutet das konkret?
Bevor eine TUE für Testosteron in Frage kommt, müssen sämtliche anderen möglichen Ursachen für einen Hormonmangel lückenlos abgeklärt und ausgeschlossen worden sein. Dazu gehören unter anderem:
- Starker psychischer/emotionaler Stress
- Adipositas (WHO-Grad III oder IV – BMI > 30)
- Alterung
- Unbehandelte obstruktive Schlafapnoe
- Übertraining, Mangelernährung/Essstörungen aufgrund von Nährstoffmangel, relativer Energiemangel im Sport (RED-S)
- Medikamente wie Opioide, Androgene, natürliche oder synthetische Androgene, einschließlich steroidaler und nichtsteroidaler (SARM) Androgene, GnRH-Analoga, Glukokortikoide, Gestagene, Östrogene, medikamenteninduzierte Hyperprolaktinämie
- Chronische systemische Erkrankungen (Niere, Leber, Lunge, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, Krebs, entzündliche Gelenkerkrankungen, HIV-Infektion, Morbus Crohn, erbliche metabolische Speicherkrankheiten)
- Alkoholexzess
Die WADA spricht in diesem Zusammenhang von funktionellen Ursachen. Diese Faktoren müssen nachweislich untersucht und ausgeschlossen worden sein – und zwar vor der Beantragung einer Ausnahmegenehmigung. Die WADA hat zur Unterstützung der betroffenen Sportler:innen und Ärzt:innen eine ausführliche Guideline erstellt: https://www.wada-ama.org/en/resources/therapeutic-use-exemption/tue-physician-guidelines-male-hypogonadism
Diese Guideline listet auch alle Untersuchungen und Testverfahren auf, die notwendig sind, um eine organische Ursache zweifelsfrei festzustellen bzw. eine funktionelle Ursache systematisch auszuschließen.
ACHTUNG: In aller Regel wird eine medizinische Ausnahmegenehmigung für Testosteron nur bei organischen Ursachen (z.B. genetische Anomalien, Schäden an Hoden oder Hypophyse) erteilt und auch hier nur bei eindeutiger Befundlage. Auch für Varikozelen, Andropause/spät einsetzender Hypogonadismus (LOH) oder Idiopathischer Hypogonadotroper Hypogonadismus sind keine Gründe, um eine TUE zu erhalten.
Besondere Vorsicht bei retroaktiven TUE-Anträgen
Testpoolsportler:innen müssen den Antrag auf medizinische Ausnahmegenehmigung für eine verbotene Methode oder verbotene Substanz wie (z.B. Testosteron) vor der Anwendung stellen. Alle anderen Sportler:innen können diesen Antrag laut Anti-Doping Bundesgesetz erst im Nachhinein (retroaktiv) im Zusammenhang mit einer bei ihnen durchgeführten Dopingkontrolle stellen. Sollte ein retroaktiver Antrag abgelehnt werden, so bedeutet dies einen Verstoß gegen die Anti-Doping Bestimmungen, da eine verbotene Substanz unerlaubterweise eingenommen wurde.
ACHTUNG: Die NADA Austria darf aufgrund der gesetzlichen Vorgaben für Sportler:innen, die nicht im Testpool sind, keine Ausnahmegenehmigung im Vorhinein erteilen. Die Übermittlung von Befunden ist daher nicht zielführend. Um die Sportler:innen bestmöglich zu unterstützen, berät die NADA Austria aber selbstverständlich, welche Abklärungen vorzunehmen sind, um die Guideline der WADA zu erfüllen.
Was gilt es zu tun?
- Sportler:innen müssen die behandelnden Ärzt:innen stets darauf hinweisen, dass sie den Anti-Doping Bestimmungen unterliegen.
- Sportler:innen müssen sich umfassend aufklären lassen, bevor eine Substanz wie Testosteron in Erwägung gezogen wird.
- Es reicht keinesfalls aus, wenn der:die behandelnde Ärzt:in der Meinung ist, dass es „keine alternative Behandlung“ gibt. Die Guideline der WADA ist zwingend zu befolgen.
- Es muss unbedingt abgeklärt werden, ob tatsächlich eine organische Ursache vorliegt, für funktionelle Ursachen wird keine TUE erteilt.





