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Longevity, Peptide & Co

zurück Bild zeigt Sportler, der über die Einnahme von Substanzen nachdenkt - Longevity - KI-Bild

Longevity ist längst mehr als ein Trend. Nahrungsergänzungsmittel, spezielle Diäten, Infusionen und zunehmend auch Peptide versprechen mehr Energie, bessere Regeneration und ein längeres, gesünderes Leben. Doch bei vielen dieser Angebote klaffen Marketing und wissenschaftliche Evidenz noch deutlich auseinander. Zudem gelten nicht wenige der Substanzen oder Methoden als Doping.

NAD+, Spermidin, Resveratrol, Quercetin, MK-677, BPC-157, CJC-1295 oder Ipamorelin sind nur einige der Namen, die derzeit im Umlauf sind. Sie versprechen, die Zellalterung zu bremsen, den Stoffwechsel zu optimieren und länger gesund zu bleiben. Ein paar Kapseln pro Tag und es winkt ein längeres, gesundes Leben, so die Botschaft.

(Marketing)Idee vs. tatsächliche Wirkung

Oftmals steckt hinter diesen Versprechen allerdings nur eine halbwegs plausible biologische Idee – aber noch lange kein Nachweis, dass sie beim Menschen tatsächlich funktioniert. Für viele dieser Anwendungen fehlen belastbare wissenschaftliche Belege.

Fallweise lassen sich zwar im Labor tatsächlich entsprechende Effekte beobachten, etwa indem in Zellkulturen Stoffwechselwege durch entsprechende Substanzen gezielt beeinflusst werden. Die Übertragung dieser Ergebnisse auf den Menschen ist jedoch wesentlich komplexer und ein Effekt lässt sich nicht immer nachweisen.

Ein anschauliches Beispiel dazu: Eine oral eingenommene Substanz muss zunächst über den Darm aufgenommen werden, in den Blutkreislauf gelangen, die Leber passieren und schließlich in die richtige Zelle gelangen. Erst danach zeigt sich, ob aus dem biologisch plausiblen Mechanismus tatsächlich ein relevanter gesundheitlicher Effekt entsteht.

Vereinzelt belegen klinische Studien Wirkungen bei Menschen, die eine gewisse Vorerkrankung oder genetische Disposition haben. Daraus kann aber nicht abgeleitet werden, dass ein gesunder Mensch durch die „präventive“ Einnahme dieselbe Wirkung erzielen kann.

Die Hypothese, dass Wirkstoffe, die einen isolierten Prozess des biologischen Alterns beeinflussen, tatsächlich zu einem längeren und gesünderen Leben führen, ist wissenschaftlich bislang nicht belegt. Dennoch werden entsprechende Versprechen häufig vermarktet. Im Gegensatz zu Arzneimitteln, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt werden muss, unterliegen Nahrungsergänzungsmittel deutlich weniger strengen Nachweispflichten.

Auch die Annahme, dass schlechte Ernährungsgewohnheiten oder gesundheitsschädigendes Verhalten wie Alkoholkonsum oder Rauchen, den Lebensstil durch Tabletten, Kapseln oder Infusionen sanieren zu können, greift zu kurz. Verhaltensveränderungen sind zwar deutlich mühsamer, erzielen aber nachweisbare Effekte.

Rezeptfreiheit und "Research Chemicals"

Problematisch sind jedoch nicht nur die oftmals überzogenen Wirkversprechen. Auch bei der Vermarktung und dem Vertrieb dieser Produkte werden Konsument:innen häufig in die Irre geführt. So kann die beworbene Rezeptfreiheit eines Stoffes zwar im Herkunftsland des Internetshops gelten, nicht jedoch in Österreich. In anderen Fällen handelt es sich um Substanzen, die noch nicht oder nicht mehr für den Markt zugelassen sind. Häufig werden entsprechende Produkte zudem als „Research Chemicals“ beworben und angeblich ausschließlich für Forschungszwecke verkauft, obwohl Marketing und Produktaufmachung klar auf den menschlichen Konsum abzielen.

Selbst wenn es sich tatsächlich um einen zugelassenen Wirkstoff handelt, der rezeptfrei erhältlich ist, kann daraus keinesfalls geschlossen werden, dass es beliebig hoch dosiert werden kann, nach dem Motto „Viel hilft viel“. Wissenschaftliche Studien zu den unerwünschten Folgen einer Überdosierung von Vitaminen und anderen Mikronährstoffen zeigen vielmehr, dass häufig das Gegenteil der Fall ist.

Hinzu kommt das Problem der Produktqualität. Oftmals werden die Rohsubstanzen und Stoffe über Anbieter:innen außerhalb des regulären Arzneimittelmarktes bezogen. Für Konsument:innen ist damit oft schwer einzuschätzen, was tatsächlich im Produkt enthalten ist. Verunreinigungen, falsche Dosierungen oder nicht deklarierte Inhaltsstoffe können zusätzliche Risiken darstellen.

Verstöße gegen die Anti-Doping Bestimmungen

Gleichzeitig sind einige dieser Substanzen nach den Anti-Doping-Bestimmungen verboten. Das macht den Longevity-Trend für Sportler:innen besonders heikel: Was als Gesundheitsoptimierung oder Biohacking beworben wird, kann im Sport als Doping gelten. Entscheidend ist nicht, welche Wirkung ein Anbieter verspricht oder ob eine Substanz in einer Longevity-Klinik angeboten wird, sondern ob sie nach den geltenden Anti-Doping-Bestimmungen verboten ist.
Auch der medizinische Kontext schützt nicht automatisch vor einem Verstoß. Sportler:innen tragen nach dem Prinzip der Strict Liability selbst die Verantwortung dafür, welche Substanzen sie anwenden. Unwissenheit – auch auf Seiten behandelnder Gesundheitsberufe – schützt daher nicht zuverlässig vor Konsequenzen.

Der Longevity-Boom sollte deshalb nicht dazu führen, gesundheitliche Risiken oder Anti-Doping Bestimmungen aus den Augen zu verlieren. Wer als Sportler:in ein Peptid oder ein anderes Longevity-Produkt verwenden möchte, sollte bereits vor der Anwendung prüfen, ob es erlaubt ist. Denn „natürlich“, „gesund“ oder „Anti-Aging“ bedeutet nicht automatisch „dopingfrei“.

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