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S2. Peptidhormone, Wachstumsfaktoren und verwandte Substanzen

Die Klasse der Peptidhormone, Wachstumsfaktoren und verwandte Substanzen umfasst Wirkstoffe mit unterschiedlichster Struktur und Wirkung. Es sind größtenteils körpereigene Eiweiße, die als Botenstoffe wirken und die Produktion weiterer Substanzen anregen. 

Aus der Vielzahl der Substanzen in dieser Gruppe werden im folgenden vier bekannte Dopingmittel näher behandelt: 

1. Erythropoietin (EPO)
2. Gonadotropine
3. Corticotropin
4. Wachstumshormon


1. Erythropoietin (EPO)

EPO ist in letzter Zeit eines der bekanntesten Dopingmittel. Durch eine Vielzahl von Doping-Skandalen wird EPO (neben Anabolika) in der Öffentlichkeit als die Doping-Substanz wahrgenommen.

Wirkungen:

Erythropoietin ist für die Produktion und den Haushalt der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) zuständig. Stellt der Körper eine mangelnde Sauerstoffversorgung fest, so wird in der Niere EPO gebildet. Dieses regt die Bildung von roten Blutkörperchen in den Produktionsstätten im Knochenmark an.

Nebenwirkungen:

Ein zu hoher EPO-Anteil im Blut führt zu einer Verdickung des Blutes, wodurch die Fließeigenschaften verschlechtert werden. Dies kann zu Thrombosen, Schlaganfällen und im schlimmsten Fall zum Tod durch einen Gefäßverschluss führen.

Anwendung in der Medizin:

Bei einer Funktionsstörung der Niere sind Patienten auf EPO angewiesen. Seit der gentechnischen Herstellung von EPO sind Nierenkranke nicht mehr auf Bluttransfusionen angewiesen.

Missbrauch im Sport:

Schon kurz nach der Markteinführung des ersten gentechnologisch hergestellten Erythropoietin wurden Gerüchte über einen Missbrauch im Sport laut. Durch die Steigerung der Anzahl der roten Blutkörperchen kann mehr Sauerstoff transportiert werden und dadurch die Muskulatur besser versorgt werden. Ähnliche Effekte treten bei den aufwendigeren und gefährlicheren Blutdoping-Verfahren auf. Der direkte EPO-Nachweis gelang erst im Jahr 2001, daher wurden in den 1990er Jahren Grenzwerte für den Hämatokrit oder das Hämoglobin eingeführt. Bei einem Überschreiten des Grenzwertes darf der Athlet aus "medizinischen Gründen" nicht am Wettkampf teilnehmen. Ein derartiges Wettkampfverbot gilt allerdings nicht als positiver Dopingfall. Vor allem in Ausdauersportarten wurde und wird EPO als Dopingmittel missbraucht, in jüngster Zeit wurden aber auch in anderen Sportarten Anwendungsmöglichkeiten entdeckt.

EPO ist im Training und im Wettkampf verboten.

Nach Schätzungen des italienischen Dopingforschers Donati dopten 2004 weltweit 500.000 Menschen mit Epo. Nach einer Veröffentlichung in der Zeitschrift "Chemical & Engineering News" erzielte die US-Firma Johnson & Johnson im Jahr 2004 mit ihren Epo-Präparaten einen Jahresumsatz von 3,6 Milliarden US-Dollar, US-Konkurrent Amgen 2,6 Milliarden Dollar und Roche 1,7 Milliarden Dollar.

 

2. Gonadotropine

Unter der Bezeichnung Gonatropine werden die Substanzen zusammengefasst, die stimulierend auf die Keimdrüsen wirken. In der WADA-Liste werden etwa das luteinisierende Hormon LH und das Schwangerschaftshormon HCG (humanes Choriongonadotropin) genannt.

Wirkungen:

Gonadotropine wirken auf die Keimdrüsen und übernehmen im Körper somit eine Übermittlerrolle. LH  stimuliert die Produktion von Testosteron in den Hoden bzw. den Eisprung und die Gelbkörperbildung. HCG wird während der Schwangerschaft, besonders zu Beginn, in hohen Mengen produziert und in die Blutbahn abgegeben. Es steuert die Ausschüttung des Hormons Progesteron, das während der Schwangerschaft die Reifung weiterer Eizellen verhindert und für die Entwicklung der Milchdrüsen wichtig ist.

Nebenwirkungen:

Eine Behandlung mit Gonadotropine kann zu einer Vergrößerung (Hypertrophie) der Eierstöcke führen. Wie bei vielen Eingriffen in den Hormonhaushalt kann dieser gestört werden.

Anwendung in der Medizin:

LH wird zur Stimulation der Follikelreifung eingesetzt. HCG wird bei Frauen mit einem fehlenden Eisprung oder ungenügender Follikelreifung anwendet. Zur Behandlung von Fruchtbarkeitsproblemen des Mannes kann HCG zusammen mit anderen Hormonen kombiniert werden.

Missbrauch im Sport:

HCG wird im Sport eingesetzt, um das "Hormonloch", das nach dem Absetzen von anabolen Steroiden auftritt, möglichst zu vermeiden. Die durch die Anabolika-Anwendung gedrosselte Testosteron-Produktion wird wieder angeregt. Gonatropine sind im und außerhalb des Wettkampfes verboten, seit 1.1.2006 sind sie nur mehr für Männer verboten, davor galt diese Bestimmung auch für Frauen. Da Männer so gut wie kein HCG selbst produzieren, kann es im Urin zweifelsfrei und relativ leicht (etwa mittels Schwangerschaftstest) nachgewiesen werden.

 

3. Corticotropine

Kortikotropin oder auch Adrenocorticotropes Hormon (ACTH) wird in der Hirnanhangsdrüse gebildet und wirkt auf die Nebennierenrinde.

Wirkungen:

Kortikotropin reguliert die Produktion von Kortison und Kortisol und kann anregend (euphorisch) wirken. Die natürliche Ausschüttung erfolgt in einem Tag-Nacht-Rhythmus und es besteht ein negativer Zusammenhang zu Kortisol. Ist der Kortisol-Spiegel hoch, kommt es zu einer verminderten Ausschüttung von ACTH.

Nebenwirkungen:

Kortikotropin führt bei übermäßigem Gebrauch zum Abbau von körpereigenen Reserven (Zucker, Fett), zu Entzündungen und zu Infektionen.

Anwendung in der Medizin:

Corticotropin (ACTH) wird als Test für die Abklärung des richtigen Funktionierens der Nebennierenrinde eingesetzt.

Missbrauch im Sport:

Kortikotropin wird nach langen körperlichen Beanspruchungen anstelle von Glucokortikoiden eingesetzt.

 

 

4. Wachstumshormon

Das menschliche Wachstumshormon Somatotropin auch HGH (human growth hormone) wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet. Seit 1985 kann es auch gentechnologisch hergestellt werden.

Wirkungen:

Die Wirkungen des Wachstumshormons sind sehr vielfältig, einerseits als direkter Botenstoff, andererseits indirekt über die Produktionsanregung anderer Hormone. Bei Jugendlichen reguliert es das Längenwachstum, es regt die Zellteilung an. Es führt aber auch zum Abbau der Fettdepots, erhöht den Blutzuckerspiegel und unterstützt den Muskelaufbau.

Nebenwirkungen:

Eine erhöhte Ausschüttung des Wachstumshormons führt zum Gigantismus (Akromegalie). Es kommt zu einer Vergrößerung der Kiefer-Kinn-Partie und einem verstärkten Wachstum von Fingern, Händen, Zehen, Füßen, Nase und Jochbein. Auch die inneren Organe wie Herz, Leber und Darm nehmen an Größe zu. Durch den Eingriff in den Zuckerhaushalt kann es zu Zuckerkrankheiten (Diabetes) kommen. Durch die vermehrte Einlagerung von Wasser steigt der Blutdruck und die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems nimmt zu.

Anwendung in der Medizin:

Wachstumshormone werden nur bei einer fehlerhaften Produktion des Körpers oder bei Kleinwuchs verschrieben.

Missbrauch im Sport:

Eine direkte Leistungssteigerung im Sport ist wissenschaftlich nicht untersucht. Die Reduktion von Körperfett und die gleichzeitige Zunahme von Muskelmasse legen den Missbrauch im Sport nahe. Im Bodybuilding werden Wachstumshormone mit Anabolika kombiniert, wodurch die Gefährlichkeit beider Substanzen noch erhöht wird. Eine Untersuchung des italienischen Dopingfahnders Donati ergab, dass - in Anbetracht der verkauften Menge an Wachstumshormonen jeder 7. Italiener kleinwüchsig sein müsste. Wachstumshormone sind im und außerhalb des Wettkampfes verboten. Da Wachstumshormone streng artspezifisch wirken, wurden sie bis zur Möglichkeit der synthetischen Herstellung aus menschlichen Leichen gewonnen, wobei stets die Gefahr einer Übertragung von Krankheiten, insbesondere Creutzfeld-Jakob, bestand. Besondere Vorsicht ist auch heute noch bei Wachstumshormonen geboten, die auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden, da manche dieser Produkte aus den Hypophysen Verstorbener gewonnen werden. 



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